Cover by Kanea/fotolia.com
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Nachdem Allan nach einer beschwerlichen Reise endlich das Schloss erreicht hat, bekommt er von der Prinzessin Tylonias den Auftrag, die drei Schwerter des Lichts zu finden. Die Suche beginnt!

 

Kapitel 2
Zalir hatte ihm erzählt gehabt, wo sich die drei Schwerter des Lichts befanden. Als erstes sollte er den See der verlorenen Seelen in Kanula aufsuchen, welches in einem Schneegebirge nördlich vom Schloss lag.
Als es dunkel wurde, hatte er das Schloss weit hinter sich gelassen und andere Welten taten sich vor ihm auf. Die Finsternis umgab ihn und es gab kein anderes Licht als das des Mondes. Er musste darauf achten, wo er sein Pferd langführte. Mehrere Male bekam er einen Ast ins Gesicht geschlagen, da er die Bäume zu spät entdeckt hatte. Das war ihm jedoch lieber, als die Tentakel der Schattenwesen. Und wichtiger war ihm, dass Enola nichts passierte. Sie war eine sehr genügsames Wegbegleiterin, welche nur einmal am Tag eine Pause an einem Fluss brauchte, um ihren Durst zu stillen und sich am Gras satt zu essen. Außerdem war sie sehr vorsichtig. Bevor sie einen Schritt machte, tastete sie mit ihren Hufen den Weg vor sich ab. Das verlangsamte sie zwar, doch Allan wollte lieber später als nie sein Ziel erreichen.
Was es mit dem See der verlorenen Seelen wohl auf sich hatte? Ein merkwürdiger Name für einen See. Aber vielleicht war es gar kein See. Er würde es herausfinden und dann würde er das erste Schwert finden.
Plötzlich geriet Enola ins Straucheln. Sie verlor das Gleichgewicht, stürzte und landete mit Allan im Schlamm. Er hatte nicht bemerkt, in einen Sumpf gekommen zu sein.
Es kostete ihn viel Kraft, Enola wieder auf die Beine zu bekommen. Sie war von Kopf bis Fuß nass geworden und zitterte am ganzen Leib. Er fluchte und fragte sich, wieso er vor Einbruch der Dunkelheit nicht Rast gemacht hatte, um bei Tagesanbruch weiterzureiten.
Langsam führte er sie hinter sich her und streichelte ihr den Rücken, was sie anscheinend beruhigte. Nachdem sie die halbe Nacht unterwegs gewesen waren, hätte Allan sich selbst dafür ohrfeigen können, nicht an irgendein Licht gedacht zu haben. Sei es auch nur eine Lampe mit Glühwürmchen gewesen. Seine Gedanken kreisten um das fehlende Licht, als unterhalb seines Kinns etwas zu leuchten begann. Das Amulett, welches Zalir ihm geschenkt hatte, hatte er ganz vergessen. Es sollte ihm helfen, wenn er einmal nicht weiter wusste. Und hier in diesem Sumpf, wo ihn die nächtliche Schwärze umgab, wusste er nicht weiter. Er schaute an sich hinunter und sah ein Leuchten, welches von seiner Brust aus den Sumpf erhellte. Als er sah, was vor ihm lag, hätte er sich erneut eine langen können. Wäre er nur ein wenig zur Seite gegangen, würden er und Enola auf einem Weg statt durch den modrigen Sumpf laufen. Er wechselte auf den Weg und wollte die Stute, die plötzlich zu wiehern begann, zu sich ziehen. Sie konnte eines ihrer Hinterläufe nicht bewegen. Anscheinend wurde sie von irgendetwas festgehalten. Sie versuchte sich auf den Weg zu retten, doch sobald sie nur eine Hufe darauf abgesetzt hatte, wurde sie zurück in den Sumpf gezogen. Allan griff im Sumpfwasser nach ihr und spürte einen stechenden Schmerz in seinem Arm. Er zog ihn heraus und sah einen tiefen Schnitt in ihm. Hoffentlich hatte dieses Ding Enola keine Verletzungen zugefügt.
Er zog an der Leine, doch leistete dieses Wesen Widerstand. Er zückte sein Schwert, stach solange im Wasser herum, bis das Wesen von Enola abließ, und zog sie auf den Weg. Als er noch einmal einen Blick hinter sich warf, konnte er nichts Bedrohliches erkennen. Scheinbar war das Wesen verschwunden. Er drehte sich um und stieß gegen etwas. Ehe er erkennen konnte, was ihm im Weg stand, spürte er schon eine glibberige Hand um seinen Hals. Sie hob ihn in die Luft und schüttelte ihn, woraufhin er sein Schwert fallen ließ. Enola wieherte und fiel zurück in den Sumpf. Allan sah, wie sie versuchte, auf den Weg zu gelangen. Da wurde der Griff um seinen Hals fester und schnürte ihm die Luft ab. Er konnte kaum erkennen, was sich vor ihm befand. Es hatte die Statur eines Menschen, doch alles andere glich einem abscheulichen Fisch. Am gesamten Körper hatte es messerscharfe Kiemen, mit denen er laut und kräftig atmete. Sein großes Maul strotzte nur so vor spitzen Zähnen. Und seine Augen … es waren so viele, Allan wusste nicht, in welches er zuerst schauen sollte.
Er versuchte, sich mit Händen und Füßen zu wehren, wobei er sich an den Kiemen die Hände aufschnitt. Ohne sein Schwert würde er sich nicht zur Wehr setzen können. Doch wie sollte er es wiederbekommen? Er spürte, wie das Amulett auf seiner Brust zu arbeiten begann. Das Leuchten bündelte sich zu einem Strahl und schien in die Augen des Fischwesens. Es ließ sein Opfer los und hielt sich die Hände vor die Augen. Allan nutzte die Situation, schnappte sich sein Schwert und schlug seinem Gegner den Kopf ab.

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Prolog

Ihm fröstelte es. Er trug nicht mehr als ein Nachthemd an seinem Körper, in dem er barfuß durch diesen düsteren Wald irrte. Alte Tannen, welche ihre Nadeln bereits vor langer Zeit verloren haben mussten, standen am Wegesrand und warfen unheimliche Schatten auf den Weg. Sie ähnelten langen, dürren Fingern, die scheinbar nach ihm greifen wollten. Der Boden war trocken und steinig. Spitze, kleine Steine drückten sich unermüdlich in seine Füße, denen sie Schmerzen bereiteten. Wo steckte nur seine Mutter? Wieso war er ihr weggenommen worden? Er liebte sie doch so furchtbar ... und sie ihn. Wieso nur? Er wollte zu seiner Mama.

Die Nacht brach herein. Der Mond stand hoch am Himmel und leuchtete in seiner vollen Pracht sein fließendes Licht zwischen die Bäume, unter denen der kleine, einsame Junge Zuflucht suchte. Unheimliche Geräusche klangen durch die Büsche und Blätter noch furchterregender. Sie ängstigten ihn. Er war doch erst fünf Jahre alt und brauchte seine Mama, die ihm Schutz geben sollte - jedoch wusste er nicht, wo sie sich aufhielt. Er ließ sich auf dem feuchten, moosbedeckten Boden nieder, zog die Beine an seinen Körper heran und schlang seine Arme darum. Dann vergrub er sein Gesicht in seinen Knien und begann zu weinen. Ihm war so schrecklich kalt. Die Angst, zu erfrieren, plagte ihn schon, seitdem er in diesem Wald aufgewacht war. In dem einen Moment war er noch bei seiner Mutter gewesen und im nächsten ... hatte er sich in dieser befremdlichen, furchtsamen Umgebung wiedergefunden, ohne Erinnerung an das, was geschehen war. Er wusste nur eins: Seiner Mama musste etwas zugestoßen sein. Sie hätte ihn nie hier zurückgelassen. Irgendetwas war passiert, und das machte ihm nur noch mehr Angst. Die Tränen vermehrten sich und liefen in dicken Rinnsalen über seine Wangen. Sein Weinen und seine Furcht ließen ihn einschlafen. Ein langer, traumloser Schlaf stand ihm bevor.

Plötzlich hörte er eine Stimme. Scheinbar war es schon Morgen. Als er die Augen öffnete, blendete ihn die Sonne, die ihm ins Gesicht schien. Langsam aber sicher gewöhnten sie sich an das grelle Licht und konnten eine Gestalt vor sich ausmachen. Er kauerte immer noch mit zusammengezogenen Beinen an dem Baum, sein Nachthemd klamm vor Nachtfeuchte. Vor ihm hockte ein alter Mann, der ihn mit einem liebevollen Lächeln anblickte. Er kannte ihn nicht, doch wusste er, dass er ihm vertrauen konnte.

»Mein lieber Allan«, gab er auf einmal von sich, »du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Mein Name lautet Igos. Ich kam zu dir, um dich zu beschützen. Ich werde dich in meine Heimat, dem Piron-Wald, mitnehmen, in der du ein neues Leben beginnen kannst.«

Einerseits freute sich der kleine Junge, nicht mehr alleine zu sein. Doch dann dachte er an seine Mutter, wie sehr er sie vermisste.

»Wo ist meine Mami?«

»Deine Mami ... konnte dich leider nicht behalten. Ich werde von nun an auf dich aufpassen und das mit all meiner Kraft, die mir zur Verfügung steht. Darauf gebe ich dir mein Ehrenwort!«

Allan war zwar erst fünf, doch wusste er, was das bedeutete: Dieser Mann schien sehr alt zu sein. Älter als alle anderen Menschen, die er je zu Gesicht bekommen hatte. Und niemand konnte wissen, wie lange er noch zu leben hatte. Er hoffte, dass er ganz viel von ihm haben würde. Mehr als die fünf Jahre, die er mit seiner Mutter verbracht hatte. Hand in Hand ging der kleine Junge mit Igos in Richtung Zukunft.


17 Jahre später

Ein Berg von Mann stand ihm gegenüber. Weißes Haar, braune Haut und eine Visage, wie sie bestialischer nicht hätte sein können. So oft hatte er ihm gegenübergestanden ... und so oft hatte er ihn nicht bezwingen können. Er gab sich noch dieses eine Mal, um ihn zu besiegen. Er zog sein Schwert, machte sich kampfbereit. Das Antlitz seines Gegenübers verformte sich. Spitze Zähne zierten sein Maul, Hörner wuchsen aus seinem Schädel empor und scharfe Krallen entfuhren seinen Fingern. So kannte er ihn und so bescherte diese Bestie der Welt Angst und Schrecken. Er durfte nicht länger zulassen, dass diese Kreatur ihm und all den anderen Wesen Tylonias Schaden zufügen würde. Schreiend stürmte er auf das Ungeheuer zu. Ein beißender Schmerz durchfuhr seine Kehle. Die Krallen seines Gegners waren durch seinen Hals gefahren, machten seinem Leben ein Ende. Schon wieder.

Er schreckte hoch. Kerzengerade saß er in seinem Bett, das Laken schweißgetränkt, die Decke neben ihm auf dem Boden. Zum wievielten Male Allan von Xantos geträumt hatte, wusste er nicht. Doch er wollte, dass diese schrecklichen Nächte endlich ein Ende fanden. Sonst würde er durchdrehen und den Blick fürs Wesentliche verlieren: für sein Bedürfnis, mehr über seine Vergangenheit herauszufinden.

Bücher von Jessica Lobe:

 

Allan - Das Relikt der Götter

Allan - Die Suche nach dem Ich

Die Offenbarung der Schleicher - Der Ausbruch

Jennas Rache - Das fertige Manuskript befindet sich in der Überarbeitungsphase; Klappentext findet ihr unter Bibliographie!

Maraya und das Geheimnis des Königs - Derzeitiger Stand: 219 Seiten

Die Offenbarung der Schleicher Folge 2 - Aktueller Stand 36 von ca. 100 Seiten!

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